August Horch

„Ich musste hart um meine Existenz kämpfen. Ich gehörte mein Lebtag zu jenen sonderbaren Leuten, die für andere vorzüglich finanzielle Vorteile oder irgendwelche Hilfen herbeischaffen können, sobald es aber um sie selbst geht, sind sie seltsam unfähig, tüchtige Geschäftsleute zu sein.“

August Horch

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Für eingefleischte Horch-Freunde ist die Obere Dunkelgasse im vogtländischen Reichenbach ein Begriff. 1902 errichtete August Horch an diesem Ort seine erste sächsische Automobilfabrik. Im Erdgeschoss einer ehemaligen Spinnerei baute er Autos. Doch schon zwei Jahre später zogen ihn günstigere Bedingungen nach Zwickau.

Kein Wunder also dass sich der Oldtimer-Club Reichenbach natürlich auch für die geschichtsträchtige Rolle der Heimatstadt interessiert. August Horch – der Autopionier – hat hier seine Spuren hinterlassen. Der Club ist bemüht diese zugänglich zu machen. Viele Kooperationen hat es gegeben und die Horch-Freunde haben vieles auf die Beine gestellt um auf die Reichenbacher Zeit von August Horch aufmerksm zu machen. Denn viel zu oft wird Zwickau als Geburtsort des sächsischen Automobilbaus verstanden. Mit Oldtimer-Ausfahrten, der Wiederbelebung des traditionellen Bergpreises oder mit der Pflege der noch vorhandenen Horch-Fabrik. Lange Zeit schon bemühen sie sich das Erbe von Horch in Ehren zu halten.

Auf dieser Seite können Sie Einiges über Horch, seinen letzten Lehrling, die Reichenbacher Horch-Fabrik und das nahegelegene Horch-Museum erfahren.

Viel Spaß


Aus dem Leben von August Horch

  • 12.10.1868 in Winningen geboren
  • 1874-1882 Besuch der Volksschule
  • 1882-1884 Schmiedelehre
  • 1884-1887 Wanderjahre
  • 1888-1891 Studium in Mittweida
  • 1891-1899 verschiedene Tätigkeiten, u.a. bei Benz & Co. Mannheim
  • 14.11.1899 Gründung der ersten Firma in Köln-Ehrenfeld
  • 01.03.1902 Neugründung als „A. Horch & Cie. Moritz Bauer Junior“
  • März 1902 Verlegung der Firma nach Reichenbach, Obere Dunkelgasse 45
  • 10.05.1904 Gründung der Firma „A. Horch & Cie.
  • Motorenwagen Werke A.G.“ in Zwickau
  • 19.06.1909 Aufforderung zum Ausscheiden aus dem Unternehmen
  • 16.07.1909 Gründung einer neuen Firma, später Klage; Firma von A. Horch durfte den Namen nicht mehr tragen
  • 25.04.1910 Umbenennung in „Audi Automobilwerke GmbH“
  • Juni 1932 Fusion der Horch-Werke A.G., der Audi-Werke A.G., der Zschopauer Motorenwerke und der Automobilabteilung von Wanderer als Auto-Union mit dem Markenzeichen vier Ringe
  • Juli 1945 Flucht nach Münchberg, Verlust sämtlicher persönlichen Dinge und Aufzeichnungen
  • bis 1951 Arbeit an Konstruktionen in Hof
  • 03.02.1951 Tod in Münchberg
  • Edgar Friedrich – Horchs letzter Lehrling

Edgar Friedrich – Horchs letzter Lehrling

„Wie würde sich August Horch freuen, wenn er mit seinen gutmütigen Augen hinter den klobigen Gläsern der kreisrunden Nickelbrille auf die großartigen Aktivitäten der Reichenbacher Horch-Freunde schauen könnte.“ Das sagt einer, der es wissen muss: Edgar Friedrich war sozusagen der letzte Lehrling von August Horch und ist seitdem untrennbar mit dem Namen des Autopioniers verbunden. Edgar Friedrich kann so gut wie alle Fragen beantworten, die zu August Horch gestellt werden.

Er kam mit mehreren Verwundungen und dem Verlust eines Auges 1945 aus dem Krieg zurück. Sein Vater Hans Friedrich war Vollblut-DKW-Händler in Hof. Er kannte die komplette „Sachsenriege“ des Automobilbaus. Auf sein Drängen hin sollte der junge Mann Mitarbeiter der sächsischen Firmen, vor allem der Auto Union, in die Westzone bringen. Einige ahnten wohl, was in der sowjetischen Besatzungszone auf sie zukommt und flohen vor Festnahme, Lager und Sibirien. Andere träumten vielleicht schon damals den Traum von einer neuen Autowelt. Das Gerücht einer Firmengründung in Ingolstadt verbreitete sich schnell und gab wohl für manchen den Ausschlag. In Sachsen waren die Maschinen inzwischen in Richtung Osten abtransportiert. Begeistert war Edgar Friedrich von dem Auftrag nicht. Vom 53-jährigen Vater vor die Alternative „Du oder ich“ gestellt, hatte er wenig Wahlmöglichkeiten. Während ein Helferteam in Sachsen die Menschen in Richtung Grenze brachte, übernahm der Heimkehrer den riskantesten Teil der Reise: bei Nacht und Nebel quer durch den Wald zwischen Sachsen und Bayern. Eine Mauer oder automatisch gesicherte Grenzanlagen gab es damals noch nicht. Gefährlich war die Sache trotzdem, denn seitens der sowjetischen Besatzungsmacht wurde scharf geschossen, manchmal auf alles, was sich bewegte. Die Hilfe von Edgar Friedrich nahm auch Carl Hahn, genannt DKW-Hahn und Vater des Ex-VW-Chefs Carl Hahn jr.in Anspruch.

Der heutige Seniorchef eines Auto-Hauses in Hof war damals Lehrling in der DKW-Werkstatt seines Vaters in der Hofer Ludwigstraße. In die kam „Papa Horch“ fast jeden Tag und arbeitete an Konstruktionen für die Auto-Union in Ingolstadt. Dabei konnte er ihm über die Schulter schauen und sich so manchen Trick abgucken. „Ich kenne 82 Jahre Horch. 77 Jahre hat mir August Horch erzählt und die letzten fünf Jahre seines Lebens habe ich fast jeden Tag mit ihm zusammen verbracht. Ich habe alles aufgeschrieben. Vor einigen Jahren fand ich die Dokumente auf dem Boden, wo sie fast 50 Jahre lagen“, erzählt der heute 78-Jährige. Auch über die Reichenbacher Zeit weiß er genau Bescheid: „Reichenbach hat damals großes Glück gehabt. Ich hatte sich mit Carl Benz überworfen, weil sein Motor ganze 9 km/h schneller war. Deshalb machte er sich in Köln-Ehrenfeld mit einer Werkstatt für Motoren selbstständig. Dann war Ebbe in der Kasse, die Firma musste geschlossen werden.

Aber August Horch war ein Himmelsstürmer, der nicht zu bremsen war. Auf der Suche nach Geldgebern wurde er bei Moritz Bauer in Plauen fündig. Dort hin begab er sich mit einem Wagen voll Maschinen und Teile. Da ihm keine Halle zur Verfügung gestellt wurde, stand er buchstäblich auf der Straße. „In Reichenbach wurde er aufgenommen. Er begann das Auto zu bauen, das er in Köln bereits konstruiert hatte. Edgar Schneider zählt auf, welche bahnbrechenden Erfindungen und Neuerungen in Reichenbach entstanden: „Die Konstruktion des ersten Vier-Zylinder-Motors, weitere Motorenentwicklungen in verschiedenen Leistungsstärken, die Erstmontage von Getriebe und Hinterachse, die Verwendung von Chrom-Nickel-Stahl für Zahnräder, die Verbesserung des Cardanantriebes, eine besondere Art der Motorschmierung, die Entwicklung verschiedener Motorwagenmodelle mit waghalsigen Versuchsfahrten …
„Allein die Aufzählung verdeutlicht, wieviel Erfindergeist in dem völlig zu recht als Autopionier bezeichneten August Horch steckte. „Über die Reichenbacher Arbeiter wusste Papa Horch nur Gutes zu berichten. Immer wieder lobte er ihren Fleiß, ihren Stolz und ihre Begeisterung.“, so Edgar Friedrich. Die Belegschaft wuchs schnell auf 80 Mann. Das Gebäude wurde zu klein. Den Reichenbacher Textilbaronen war der erfolgreiche Automobilbauer ein Dorn im Auge. Da er keine passende Immobilie fand, zog er bereits 1904 nach Zwickau weiter. Die wechselvolle Geschichte von August Horch zieht sich durch sein ganzes Leben. Er hatte die Ideen, die anderen das Geld. So kam es, dass er aus seiner Firma gehen musste und seinen eigenen Namen „Horch“ nicht mehr verwenden durfte. Ein Schüler hatte die Idee und übersetzte die Befehlsform einfach ins Lateinische. So entstand der Name Audi, der noch heute für verschiedene Modelle des Herstellers in Ingolstadt steht. Edgar Friedrich verehrt den Autopionier mit einer Ausstellung im Autohaus in der Kulmbacher Straße in Hof. Ein richtiger Ausstellungsraum soll entstehen. Die Achse Zwickau – Reichenbach – Hof könnte zum Mekka der Horch-Freunde werden.

Text: Petra Steps

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Die alte Fabrik und viel Ideen

Noch steht sie, die alte Horch-Fabrik. Die Meinungen zur Zukunft des Objektes sind geteilt. Während sich die einen den Abbruch der Industriebrache wünschen, gibt es andere, die sich eine Sanierung und Nutzung konkret vorstellen können.
Zu den Menschen mit Ideen zum geschichtsträchtigen Gebäude gehören die Horch-Freunde des Reichenbacher Oldtimer Clubs. Hans-Jürgen Löffler ist Autohausbesitzer und schon von Berufs wegen kein Idealist. Trotzdem hat er Visionen. Für das ehemalige Fabrikgebäude, in dem sich vor Horch eine Spinnerei befand und das bis zur Wende als Großhandelslager für Papier und Büroartikel genutzt wurde, kann sich der Horch-Freund eine vielseitige Nutzung vorstellen. Mittelpunkt sollte eine Horch-Gedenkstätte sein.
Die Reichenbacher Horch-Freunde haben gemeinsam mit dem Neuberin-Museum und vielen Helfern intensive Nachforschungen zum Leben und Wirken August Horchs im Vogtland angestellt sowie Dokumente gesammelt. Einige Ausstellungsgegenstände sind ebenfalls vorhanden. In anderen Räumen könnte an die Textilindustrie erinnert werden, die in der Region bis zur Wende eine führende Rolle spielte und der letztlich auch der Umzug von Horch nach Zwickau zu „verdanken“ ist. Für die anderen Etagen schlägt Hans-Jürgen Löffler die Einrichtung von Räumen für Vorträge, Schulungen und andere Veranstaltungen vor. Mehrere Vereine könnten im Haus ihre Heimstatt finden oder ihre Tagungen abhalten. Im obersten Stockwerk soll ein Panorama-Café mit einem Blick über die Neuberinstadt locken. Vor dem Gebäude besteht die Möglichkeit zur Errichtung eines Parkdecks unmittelbar in Zentrumsnähe .

Hans-Jürgen Löffler machte deutlich, dass der weltweit bekannte Name Horch Leute aus Nah und Fern anzieht. Wenn mit der Fabrik ein Schmuckstück mit verschiedenen Angeboten entsteht, würden nicht nur Besucher angezogen. Auch Einheimische könnten wieder Mut schöpfen und in ihrer Heimatstadt bleiben. Allerdings sucht der Horch-Freund noch nach weiteren Nutzungsmöglichkeiten für das große Gebäude. Einige Räume müssen vermietet werden, damit regelmäßige Einnahmen erzielt werden. Bei der Ausstellung sollte nicht nur Horch berücksichtigt werden, obwohl die Oldtimer-Fans schon fleißig Ausstellungsgegenstände sammeln. Auch die Textilindustrie-Geschichte und andere Zweige könnten ihre Heimat im Haus finden. Glücklich wären die Mitglieder des Oldtimer Klubs, wenn sie einen befestigten Platz für ihre Teile-Märkte dort fänden. Zu einer solchen Veranstaltung kommen immerhin 1500 Gäste nach Reichenbach. Die würden dann auch ins Museum und in die gastronomischen Einrichtungen im Haus gehen. Zurzeit bieten die Verkäufer ihre Teile noch auf dem Schlammplatz an der Cunsdorfer Straße an.

Viel haben die Horch-Freunde in den letzten Jahren getan, um an den Autopionier zu erinnern. Im Oktober 1997 wurde der August-Horch-Weg eingeweiht. Im Mai 1999 wurde 50 Horch-Fahrzeugen auf ihrer Jubiläumsfahrt von Zwickau über Reichenbach nach Ingolstadt ein grandioser Empfang bereitet. Im Dezember 2001 stellte der Oldtimer Club eine Erinnerungstafel an der ehemaligen Horch-Fabrik auf. Für das Jubiläumsjahr 2002 sind verschiedene Aktivitäten geplant.

Gegenwärtig kümmern sich ein Nachbar und die Oldtimerfreunde um das Außengelände der Fabrik. „Als wir 2000 hier her kamen, waren noch alle Fenster drin“, erinnert sich Jonny Schneider. Mittlerweile machen sowohl Fabrikgebäude als auch die Schmiede einen trostlosen Eindruck. Deshalb wandten sich die Horchfreunde erneut an die Eigentümer. „Vielleicht können wir den Verfall der Schmiede stoppen und das Gebäude nutzen“, hofft Jonny Schneider. Er kann sich gut Unterstellmöglichkeiten für Fahrzeuge und Fahrzeugteile oder später auch eine kleine Werkstatt vorstellen.

Text: Petra Steps

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Moskauer will für Horchfabrik sammeln und spenden

Reichenbach/Moskau. Im November weilte der Moskauer Journalist und Buchautor Nikolay Alexandrov in Reichenbach. Durch den Reichenbacher Oldtimerklub wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Nach der Übergabe der Ehrenurkunde stand für ihn ein Besuch der Horchfabrik auf der Wunschliste ganz oben. Kürzlich schrieb der Moskauer einen Brief an den Oldtimerklub. Darin erklärt er, wie gern er in Reichenbach weilt. „Einmal im Jahr bemühe ich mich, zu ihnen zu kommen, um ‚meine Batterien’ zu laden und das nächste Jahr von den Erinnerungen zu leben“, schrieb er. Immer, wenn er nach Hause fährt, sei der Koffer voller Bücher, die er im langen Moskauer Winter liest. „Wenn hinter dem Fenster starker Frost ist und viel Schnee, dann ist es sehr gemütlich, in Büchern über das freundliche Vogtland zu lesen“, so Nikolay Alexandrov.

Beim letzten Besuch landete auch das Buch „Ich baute Autos“ von August Horch im Koffer. In seinem Brief zitiert der Moskauer einige Abschnitte aus der Reichenbacher Zeit des Autopioniers. Unter der Überschrift „Wir waren glücklich“ beschreibt Horch darin, welche Leute er einstellte und wie die Produktion des ersten Wagens begann. Der Moskauer kennt die beschriebene Fabrik in der Oberen Dunkelgasse inzwischen gut. „In den vier Jahren, seit ich nach Reichenbach komme, sehe ich, wie dieses Gebäude immer schlechter wird. Noch zwei, drei Jahre, und es wird vom Regen zerstört sein. Das wird ein sehr großer Verlust für Reichenbach, das Vogtland, Sachsen, Deutschland, für die ganze Welt“, so Alexandrov. In den folgenden Zeilen schlägt er vor, die Fabrik in ein Denkmal umzuwandeln. Das Gebäude kostet ungefähr so viel wir ein Luxusauto. „Für den einzelnen Menschen ist das sehr viel Geld“, schreibt er. Deshalb fordert der Moskauer die Reichenbacher auf, die Fabrik gemeinsam zu retten. „Wenn jeder von Ihnen für den Kauf eine kleine Summe geben wird, so werden wir dieses große Denkmal für die Geschichte sichern“, so der Moskauer. Er würde dafür freiwillig 100 Euro spenden. Wenn er Verständnis im Herzen der Bürger findet, könnte sich die Summe noch erhöhen. „Wir können das Vermächtnis von August Horch zusammen retten“, ist Alexandrov sicher. Dann könnten alle zusammen sagen „Wir waren glücklich“, so wie einst August Horch über seine Reichenbacher Zeit.

Text: Petra Steps (Dezember 2004)

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Horchfabrik erscheint in britischer Zeitung

Reichenbach. Mit Spannung erwarten die Horchfreunde des Reichenbacher Oldtimerclubs eine Veröffentlichung in der größten Motorsportzeitschrift Großbritanniens. Vertreter der Auto Union GmbH, der Traditionsgesellschaft der Audi AG im bayerischen Ingolstadt, kamen mehrfach mit Journalisten nach Reichenbach, um mit dem Oldtimerclub-Vorsitzenden Olaf Roth auf den Spuren von August Horch zu wandeln. Die Gäste hätten sich erfreut darüber geäußert, dass die ehemalige Horch-Fabrik in Reichenbach noch steht, erklärte der Vereinschef. Künftig würden mehr Interessierte bei Reisen ins August-Horch-Museum Zwickau in Reichenbach Station machen Großes Interesse hatten die Gäste auch am Liebauberg als Teststrecke für Horchfahrzeuge. Lobende Worte habe es für die Erinnerungstafel auf dem Fabrikgelände an der Oberen Dunkelgasse gegeben. Auf der Tafel stehen die Telefonnummern von Mitliedern des Oldtimerclubs. „Es kommt öfter vor, dass uns jemand anruft und das Gebäude besichtigen will“, so Olaf Roth. Er bedauert, dass es immer noch keine endgültige Lösung für die Sicherung der Fabrik als wertvolles Kulturgut der Stadt gibt.


Rettung für Horchfabrik in Sicht

Reichenbach. Steffan Günther, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Vogtland, Bereich Reichenbach, beschäftigt sich fast täglich mit August Horch. In der ehemaligen Fabrik an der Oberen Dunkelgasse könnte das neue Domizil der Arbeiterwohlfahrt mit Verwaltungs- und Beratungsräumen und 18 Wohneinheiten für Betreutes Wohnen entstehen. In der Stadtratssitzung am Montag sollen ein Erbbaurechtsvertrag und eine Fördervereinbarung beschlossen werden. „Jetzt ist ein Arbeitsstand erreicht, der die Information an die Öffentlichkeit rechtfertigt“, so der Geschäftsführer. Vorsichtig ist er jedoch immer noch, denn der Finanzierungsrahmen ist eng, und unvorhergesehene Auflagen könnten das Projekt noch scheitern lassen. Außerdem warte er noch auf einen Fördermittelbescheid der Sächsischen Aufbaubank. Das Projekt soll insgesamt 2,6 Millionen Euro kosten und wurde bereits von der Oberfinanzdirektion geprüft.

Gründe für die Bemühungen um die Horchfabrik gab es gleich mehrere: das nahe gelegene Pflegeheim, Nachfragen von Reichenbachern nach einem Angebot für Betreutes Wohnen und die Zentralisierung aller Beratungsangebote und der Verwaltung in einem Haus. Als im Verein über den Bau eines Hauses nachgedacht wurde, kam der entscheidende Impuls aus der Stadtverwaltung. Seit zwei Jahren wird nun an der Umsetzung gearbeitet.

„Wir wollen bei unseren Bemühungen auch August Horch in Reichenbach verankern, damit man nicht nur die Neuberin kennt“, erklärte Steffan Günther. Er hat sich deshalb auf die Spuren des Autopioniers begeben und erste Informationen gesammelt. Das vorliegende Projekt sieht einen an die bestehenden Mauern angebauten Pavillon vor, in dem zwei Fahrzeuge stehen könnten, außerdem gibt es noch einen größeren Versammlungsraum für eine Ausstellung und zur öffentlichen Nutzung. Die „Horchfreunde“ des Reichenbacher Oldtimerclubs begrüßen die Initiative. „Wir werden uns mit Herrn Günther zusammensetzen und über die Zusammenarbeit sprechen. Die Erhaltung der Fabrik ist schon immer unser Ziel“, erklärte Olaf Roth. Wenn das gelingt, dann erstrahlt spätestens zur Landesgartenschau eine sanierte Industriebrache in neuem Glanz.

Text: Petra Steps (Dezember 2006)


Baugenehmigung Horchfabrik

Reichenbach. Zum Tag der Sachsen zuckte AWO-Geschäftsführer Steffan Günther noch mit den Schultern, wenn er konkrete Fragen zur Horch-Fabrik beantworten musste. Zwar war die Arbeiterwohlfahrt mit dem Modell der Fabrik aufgetreten und hatte für Interesse gesorgt, doch damals war noch kein Baubeginn in Sicht. Jetzt liegt die Baugenehmigung vor und die Ausschreibungen beginnen, informierte der Geschäftsführer. Bereits in der übernächsten Woche soll der Schornstein fallen. Der Auftrag dafür wurde ausgelöst. Bis zur Vergabe des Hauptloses für die Entkernung und die Bauarbeiten im Inneren werden jedoch noch einige Wochen vergehen, denn gesetzliche Fristen müssen eingehalten werden.

Viele Jahre bemühte sich die Stadt, Nutzungsmöglichkeiten für das Gebäude zu finden. „Freie Presse“ hatte 2004 aufgerufen, Vorschläge zu unterbreiten. Allerdings kam kein tragfähiges Konzept zustande. Seit vor drei Jahren die Idee der AWO zur Erhaltung der Fabrik an die Öffentlichkeit drang, wird an dem Projekt gearbeitet. Der Verein, der die Mehrzahl der Kindereinrichtungen in der Region sowie ein Altenpflegeheim am ehemaligen Alten Friedhof betreibt, wollte auf Nummer sicher gehen und vor einer Entscheidung erst alle Forderungen und Kosten auf dem Tisch haben.

In dem Gebäude in der Unteren Dunkelgasse hatte August Horch von 1902 bis zu seinem Umzug nach Zwickau 1904 Autos gebaut, zum Beispiel sein erstes Vierzylinderfahrzeug. Dort wird nun das neue Domizil der Arbeiterwohlfahrt mit Verwaltungs- und Beratungsräumen und 18 Wohneinheiten für Betreutes Wohnen entstehen. Nach langjährigen und schwierigen Verhandlungen mit den Erben der ehemaligen Kramer’schen Fabrik hatte die Stadt Reichenbach das Grundstück inklusive der Gebäude erworben und mit der AWO im Dezember 2006 einen Erbbaurechtsvertrag sowie eine Fördervereinbarung abgeschlossen. Rund 2,6 Millionen Euro wurden für den Bau veranschlagt. Günther hatte sich damals das Ziel gesetzt, bis zur Landesgartenschau fertig zu sein. Allerdings hat bereits die Überwindung der bürokratischen Hürden für Genehmigungen wesentlich länger gedauert, als er ursprünglich gehofft hatte.

Mit der Sanierung der Horch-Fabrik gelingt es, eine katastrophal aussehende Industriebrache in Reichenbach ohne Abriss zu beseitigen und die Tradition zu bewahren. In den letzten Jahren hatte die Stadt eher Schlagzeilen durch verstärkte Abbruchbemühungen gemacht.

Text: Petra Steps (November 2007)

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Baustart Horchfabrik

Reichenbach. Mit einer Feierstunde würdigt die Arbeiterwohlfahrt Vogtland, Bereich Reichenbach (Awo) am 29. Februar den offiziellen Baustart für die ehemalige Horchfabrik. Dazu werden Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Horchfreunde sowie Mitglieder des Horchklubs Deutschland erwartet. Awo-Geschäftsführer Steffan Günther möchte an diesem Tag den Ist-Zustand zeigen, aber auch das Projekt für den Umbau vorstellen. „Eine Grundsteinlegung können wir ja nicht machen, da das Gebäude steht. Deshalb nennen wir es offiziellen Baubeginn“, erklärte er. In der ehemaligen Horchfabrik entsteht ein Betreuungs- und Beratungszentrum, in dem die Awo-Verwaltung, die Sachgebietsleitung für Kindertagesstätten des Vereins, die Aussiedlerberatungsstelle, die Erziehungsberatung, die Schuldnerberatung sowie die Jugendberufshilfe untergebracht sind. Im zweiten und dritten Obergeschoss werden zwölf altersgerechte Wohnungen bereitgestellt. Ein Pavillon soll an den Autopionier erinnern, der hier vor über 106 Jahren mit der Produktion seiner Fahrzeuge begann.
Nach dem Abbruch des Schornstein sowie des Fahrstuhlanbaus haben in dieser Woche die ersten Bauarbeiten begonnen. Das Projekt soll 2,5 Millionen Euro kosten und wird neben den Eigenmitteln aus Fördertöpfen der Stadt und des Landes Sachsen finanziert.

Text: Petra Steps (Januar 2007)


Baustart Horchfabrik

Reichenbach. Zum offiziellen Baustart und dem Einbringen einer Zeitkapsel kamen gestern Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Horchfreunde sowie künftige Mieter und Nachbarn in die ehemalige Horchfabrik an der Reichenbacher Oberen Dunkelgasse. Für knapp 2,56 Millionen Euro, davon 1,46 Millionen Euro Fördermittel und rund 1,1 Millionen Euro Eigenanteil entsteht aus einer Industriebrache ein modernes Büro- und Beratungszentrum der Arbeiterwohlfahrt Vogtland, Bereich Reichenbach (AWO). Der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Olaf Graf, ließ die Odyssee von ersten Gedanken der Stadtverwaltung zur Erhaltung des geschichtsträchtigen Gebäudes bis zum gestrigen Tag noch einmal Revue passieren. Die AWO wurde erst vor wenigen Jahren ins Boot geholt, denn sie wollte eigentlich einen Neubau nahe dem Pflegeheim an der Trinitatisgasse. Aus der Stadtverwaltung kam der Gedanke, statt des neuen Hauses die Industriebrache zu erhalten, in der August Horch von 1902 bis 1904 Autos baute. „Über die erste Kostenschätzung waren wir erschrocken. Die Fabrik ist riesengroß, und selbst bei großzügiger Gestaltung der Verwaltungs- und Beratungsräume hätten wir nicht alles nutzen können“, so der Vorstandsvorsitzende. Erst als die Idee mit den Wohnungen aufkam, wurde das Projekt spruchreif und die AWO begann, viele Partner mit ins Boot zu holen. Anfang 2006 lagen konkrete Planungen vor, die Vorvereinbarung mit der Stadt Reichenbach als Eigentümer wurde geschlossen, die Finanzierung geklärt. Im April 2007 lagen alle notwendigen Stellungnahmen vor, denn es mussten jede Menge Forderungen von Denkmalschutz oder Brandschutz Beachtung finden. Dann hieß es Warten auf die Baugenehmigung, bevor Ende Dezember 2007 der erste Auftrag vergeben werden konnte.

AWO-Geschäftsführer Steffan Günther erläuterte die geplante Nutzung von Grundstück und Gebäude. Das Erdgeschoss dient der Verwaltung des Vereins. Die Horchausstellung soll in einem angebauten Pavillon unterkommen, der durch die alte Hauseingangstür und
historische Fenster mit dem Altbau verbunden wird. Neben dem Pavillon befindet sich ein Versammlungs- und Feierraum. In der ersten Etage erhält der Geschäftsführer sein Büro. Dort werden die Schwangeren- und Schuldnerberatung, die Erziehungsberatung, die Jugendhilfe sowie die Sachgebietsleiter Pflege, Beratungsdienste und Jugend ihre Räume beziehen. In die beiden oberen Etagen kommen zwölf Wohnungen, die zwischen 40 und 70 Quadratmeter groß sind. Für elf gibt es bereits feste Mieter, die Vorverträge werden in der kommenden Woche abgeschlossen.

Während der Feier zum offiziellen Baustart wurde eine Zeitkapsel eingemauert, die Baupläne, eine Liste mit den Unterschriften der Teilnehmer, Tageszeitungen, Münzen sowie Miniflaschen mit 35-prozentigen „Horch-Tropfen“ enthält.

Stimmen:
Hans-Jürgen Löffler, Mitglied im Horchklub Deutschland und im Oldtimerklub Reichenbach: Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Schließlich begann hier der Siegeszug der Automobilindustrie in Sachsen. Am Montag hat der Horchklub Deutschland beschlossen, dass die Horch-Ausfahrt 2009 pünktlich zur Eröffnung der Horchausstellung hier im Raum Reichenbach stattfindet.

Rudolf Vollnhals, Geschäftsführer Horch-Museum Zwickau
Ich kann die Erhaltung der Fabrik nur begrüßen, denn hier hat August Horch einen Meilenstein auf dem Weg nach Zwickau gelegt. Wir werden die Ausstellung durch Leihgaben unterstützen und auch die Verbindung zwischen Reichenbach und Zwickau pflegen.

Dieter Kießling, Oberbürgermeister Reichenbach
Wenn ich an die ganzen Gespräche der letzten Jahre zurückdenke, dann ist das hier für mich ein großer Tag der Freude. Hier werden Traditionen gewahrt und gleichzeitig Modernes geschaffen.

Steffan Günther, Geschäftsführer der AWO Vogtland, Bereich Reichenbach
Ich freue mich, dass mein ehemaliger Englischlehrer Erhard Taubert über meinem Büro einziehen wird. Wenn die ersten Gäste aus dem Ausland kommen, kann er uns aushelfen. Alle AWO-Mitarbeiter und Mieter sollten sich in der Horchgeschichte.

Splitter:
Eveline Drasch, (73) hat vor etwa drei Jahren eine winzige Notiz in der „Freien Presse gelesen, in der erstmals über die Pläne der Arbeiterwohlfahrt zur Erhaltung der Horchfabrik geschrieben wurde. „Daraufhin habe ich tippeltappeltour nachgefragt, um den richtigen Ansprechpartner zu finden. Ich war mit Sicherheit die erste, die sich als Mieterin angemeldet hat“, erklärte sie. Schon als die ersten Pläne vorlagen, suchte sie sich ihre Wohnung aus: ganz oben, etwa 50 Quadratmeter, mit Blick zum Joppenberg und in die Altstadt. Zurzeit lebt die Reichenbacherin in einer 80 Quadratmeter-Neubauwohnung, die ihr nach dem Tod ihres Mannes zu groß geworden ist. „Für uns ältere Leute sind das hier passende Wohnungen, wir haben es nicht weit in die Stadt, und am Umfeld wird sicher noch einiges gemacht. Außerdem ist das Pflegeheim in der Nähe, und man wird schließlich älter“, meint sie.

Peter Gypser (66) wohnt in der Teichgasse, ganz in der Nähe der ehemaligen Horchfabrik. Seit einiger Zeit ist er immer wieder mit seiner Videokamera auf Achse. „Für mich ist interessant, wie es in Reichenbach aussieht und wie es weitergeht. Es wird so viel weggerissen. Da möchte ich einiges für spätere Generationen festhalten“, erklärte er. Für die Arbeiterwohlfahrt filmt der Reichenbacher das gesamte Baugeschehen um die Horchfabrik. „Das werde ich bis zur Fertigstellung machen. Und wenn der Bau fertig ist, dann ist auch mein Film fertig“, ist er sicher. Der könnte zur Einweihungsfeier gezeigt werden. Peter Gypser hat sich die notwendigen Kenntnisse für das Filmen und die Bedienung des Computers selbst beigebracht. Als sein Sohn ihm den ausrangierten Rechner hinstellte, fing er damit an. Schon jetzt freut er sich über die gelungenen Aufnahmen, vor allem von der Sprengung des Schornsteins, den er am Computer immer wieder „aufstehen“ lässt. AWO-Geschäftsführer Steffan Günther ist froh über die Hilfe des Rentners in Sachen Dokumentation.

Text: Petra Steps (01.03.2008)


Richtfest Horchfabrik

Reichenbach. Im Beisein von Vertretern der beteiligten Bau- und Handwerksbetriebe fand gestern am künftigen Betreuungszentrum der AWO Vogtland, Bereich Reichenbach in der Oberen Dunkelgasse das Richtfest statt. Nur knapp zehn Monate sind vergangen, seit in der ehemaligen Horch-Fabrik die offizielle Grundsteinlegung erfolgte. Seitdem wurden rund 945.000 der geplanten 2,6 Millionen Euro verbaut. So gut wie fertig ist der Rohbau, das Treppenhaus wurde verlegt, das Dach ist dicht, im Inneren des Gebäudes laufen die Elektroarbeiten und die Heizungsinstallation, die Balkone sind angebaut, auch der Pavillon zur Erinnerung an den Autopionier August Horch, der hier von 1902 bis 1904 Autos baute, steht. „Wir haben mehr Teile gerettet, als der Denkmalschutz gefordert hat“, freut sich AWO-Geschäftsführer Stefan Günther. So werden zwei der Säulen aus der ehemaligen Fabrikhalle gerade aufgearbeitet. Sie sollen mit einem Träger verbunden in den Ausstellungspavillon kommen, wo auch zwei restaurierte Fenster ihren Platz finden werden. „Ich hatte die Hoffnung für die Fabrik längst aufgegeben und bin heilfroh, dass es so gekommen ist“, erklärte Hans-Jürgen Löffler von den Horchfreunden des Oldtimerclubs Reichenbach. Er übergab anlässlich des Richtfestes eine originale Aktie der Auto-Union, die jetzt den Grundstock für die künftige Ausstellung bildet.

Zuvor hatte sich Zimmermeister Friedrich Wolf gemeinsam mit Steffan Günther auf das Dach des Pavillons begeben und auf den Bau angestoßen. Das Ende des Richtspruches des Zimmermanns lautete: „Ganz ins Scherben soll’s zerspringen! Jeder Splitter mög dann auch recht viel Glück dem Haus noch bringen – so will es des Handwerks Brauch!“ Friedrich Wolf sprach es und warf das Glas unter dem Beifall der Anwesenden zu Boden, wo es zersplitterte.

Das nächste große Treffen an der Horch-Fabrik soll im April 2009 stattfinden, wenn der Bau feierlich eingeweiht wird. Dann werden die AWO-Büros und -Beratungsdienste in das Haus umziehen und die zwölf altersgerechten Wohnungen an die Mieter übergeben.

Text: Petra Steps (August 2008)


Umzug in die Horchfabrik

Reichenbach. In die ehemalige Horch-Fabrik an der Oberen Dunkelgasse in Reichenbach Zieht Leben ein. Die Verwaltung und die Beratungsdienste der Awo Vogtland, Bereich Reichenbach haben hi r ihr neues Domizil. Die Umzugskisten stapeln sich, in vielen Zimmern geben sich noch die Handwerker die Klinke in die Hand und trotzdem sieht man nur fröhliche Gesichter bei den Mitarbeitern. „Unsere Arbeitsbedingungen verbessern sich um 1000 Prozent“, meint Geschäftsführer Steffan Günther. Sein Büro ist noch nicht ganz fertig, deshalb muss er zurzeit in der Etagenküche sitzen. Zum Sitzen kommt er ohnehin nicht, denn viele Kleinigkeiten müssen immer wieder geklärt werden. Einen richtigen Glücksmoment hatte er am Mittwochnachmittag, als um 15.30 Uhr das erste Telefon klingelte und die Kommunikation mit der Außenwelt wieder zu funktionieren begann.

„Der Umzug spart das Fitnessstudio und außerdem war es nach 20 Jahren Zeit zum Ausmisten“, meinte Marion Lange, Sachgebietsleiterin für Kindertagesstätten. Die frei gezogenen Räume in der Solbrigstraße werden zum Monatsende wieder an den Vermieter übergeben. Die Büros im Hintergebäude der ehemaligen Poliklinik, das der Awo gehört, mietet der Hausmeisterdienst Wima. Jetzt sind die rund 25 Mitarbeiter erstmals in einem Gebäude untergebracht. Für die Familienberatung stehen jetzt größere Räume zur Verfügung. Die Schuldnerberatung, die Schwangerenkonfliktberatung und die Migrationsberatung für Erwachsene haben ebenfalls neue Räume in der ersten Etage bezogen. Am Mittwoch fand im Beratungsraum schon die erste Schulung für Erzieherinnen zum Thema „Mathematik im Vorschulalter“ statt. „Die Teilnehmerinnen haben sich gefreut, dass sie den Beratungsraum einweihen durften“, erklärte Psychologin Diana Franke. Sie hat ihr Büro noch eingerichtet, kann aber den Blick ins Grüne wegen nahender Mutterfreuden gar nicht mehr richtig genießen.

Im Erdgeschoss sitzen die komplette Finanzbuchhaltung, die Personalplanung, der Bereich Technik und der Geschäftsführer. Die Mitarbeiter betreuen 13 Kindertagesstätten, zwei Schullandheime, ein Pflegeheim, die Jugendklubs in Mylau und Netzschkau, die Küche am Park und die Beratungsstellen. Bei der Einrichtung der Zimmer wurde Wert auf effektive Flächennutzung gelegt. Die Mehrzahl der Möbel wurde deshalb direkt für die Räume angefertigt.

Nach Ostern rücken wieder Möbelautos an. Dann ziehen die ersten Mieter in die zwölf altersgerechten Wohnungen. Zurzeit werden dort Türen und Fußbodenbelag eingebaut. Der Fahrstuhl soll Ende dieser Woche ebenfalls in Betrieb genommen werden. Damit auch der Übergang vom Klemmsgässchen zum Awo-Grundstück barrierefrei ist, wurde dort das Pflaster neu verlegt. Im Außengelände wird noch fleißig gearbeitet. Auch der Pavillon zur Erinnerung an den Autopionier August Horch und der Mehrzweckraum im Erdgeschoss müssen noch komplettiert werden, bevor am 22. Mai die Horchfreunde Deutschland im Rahmen ihrer Horch-Ausfahrt in Reichenbach anrücken. An diesem Tag wird die Horchfabrik offiziell eingeweiht.

Text: Petra Steps (April 2009)


Ein Traum wurde wahr – Offizielle Einweihung der ehemaligen Horchfabrik als Beratungszentrum „August Horch“

Aus der ehemaligen Horchfabrik wurde das Beratungszentrum „August Horch“, untergebracht in einem modernen Wohn- und Bürohaus, das keine Wünsche offen lässt. Heike Müller, die in Horchs Geburtsstadt Winningen lebende Enkelin des Autopioniers, hat für die Namensgebung bereits ihre Zustimmung erteilt. Gemeinsam mit weiteren Horch-Freunden will sie dem Haus im Rahmen der Horch-Ausfahrt 2009 einen Besuch abstatten. 2004 kam die Horch-Ausfahrt das letzte Mal in der Oberen Dunkelgasse vorbei.
Wer das Gebäude vor dem Umbau und der Sanierung gekannt hat, vermag es kaum zu glauben, was für ein Schmuckstück hier entstand. 2,6 Millionen Euro wurden verbaut. Damit hat die AWO Vogtland, Bereich Reichenbach ihr Versprechen eingelöst und einen entscheiden Beitrag zur Verschönerung des Stadtbildes geleistet.
In zwei Etagen sind die Beratungsdienste der sowie die Verwaltung des Vereins eingezogen. Damit ist dieser gesamte Bereich erstmals unter einem Dach zu finden. Die Familienberatung hat sich räumlich enorm vergrößert. Die Schuldnerberatung, die Schwangerenkonfliktberatung und die Migrationsberatung für Erwachsene haben neue Räume in der ersten Etage bezogen. Im Erdgeschoss sitzen die komplette Finanzbuchhaltung, die Personalplanung und der Bereich Technik. Der Geschäftsführer blickt aus seinem Fenster auf das gegenüberliegende Pflegezentrum, das ebenfalls zur AWO gehört. Die Mitarbeiter betreuen 13 Kindertagesstätten, zwei Schullandheime, ein Pflegeheim, die Jugendklubs in Mylau und Netzschkau, die Küche am Park und die Beratungsstellen.


Glücklich im neuen Büro
Sabine Kratzenstein gehört zu den glücklichen Mitarbeiterinnen, die in neue, helle Büroräume einziehen konnten. Sie und zwei weitere Mitarbeiter der Schuldnerberatung haben erstmals voneinander unabhängige Beratungszimmer. „Vorher hatten wir nur zwei Zimmer und bei Beratungen mussten wir immer auf einen leeren Raum warten“, erklärt Frau Kratzenstein. Jetzt kann die Beratung individuell und unter wesentlich verbesserten Bedingungen erfolgen. „Wir haben schon immer ordentlich gearbeitet, aber jetzt ist alles viel schöner. Uns Mitarbeitern ist es ein Bedürfnis, zur Einweihungsfeier zu kommen, trotz des freien Tages am langen Wochenende“, so die Beraterin.
Die Schuldnerberatung der AWO ist gerade volljährig geworden, verriet sie. Im März 1991 begann die Sisyphusarbeit, die seitdem eine steigende Tendenz aufweist.

Glücklich in der neuen Wohnung
Zu den ersten Mietern der insgesamt zwölf altersgerechten Wohnungen gehören Irmgard und Helmut Geisler. Beide sind 77 Jahre alt und vom Joppenberg in die Horch-Fabrik gezogen. Von ihrem Balkon aus sehen sie das Haus, in dem sie 43 Jahre gelebt haben. „Wir fühlen uns wohl, obwohl uns die Entscheidung nach so vielen Jahren schwergefallen ist. Ausschlaggebend war der Fahrstuhl, denn meine Frau hatte eine Knieoperation“, verriet Helmut Geisler. Um den Umzug musste sich das Ehepaar nicht kümmern. Beide wurden zur Schwester der Frau nach Thalheim geschickt und als sie zurückkehrten, waren die Heinzelmännchen so gut wie fertig. „Unser Sohn Bernd und Enkel Michael haben zusammen mit vielen fleißigen Helfern alles organisiert. Dafür sind wir sehr dankbar“, erzählt die Ehefrau, die ihren Mann schon aus der Kleinkinderzeit kennt. Die Eltern waren befreundet und kamen gemeinsam aus Schlesien ins Vogtland. Nur ein Jahr lang hatte sich das Paar aus den Augen verloren, bis es für immer zusammenfand. Jetzt wollen beide noch ein paar glückliche Jahre im neuen Heim erleben und die Annehmlichkeiten genießen.

Text: Petra Steps (Mai 2009)


Einweihung Horchfabrik

Reichenbach. Heute ab 9.30 Uhr lädt die Awo Vogtland, Bereich Reichenbach zum Tag der offenen Tür in die ehemalige Horchfabrik an der Oberen Dunkelgasse ein. Dort entstand in den letzten Jahren aus einer Fabrikruine das Awo-Beratungszentrum „August Horch“.

Vor allem der heutige Vormittag ist gespickt mit Höhepunkten. Gegen 10.30 Uhr machen rund 30 Horch-Fahrzeuge an der Oberen Dunkelgasse Station. Sie gehören zum Horch-Club Deutschland und haben sich für ihre diesjährige Fahrt wegen der Einweihung des Wohn- und Geschäftshauses Sachsen als Ziel auserkoren. Hans-Jürgen Löffler aus Reichenbach hat sich um die Organisation der viertägigen Tour gekümmert. Nach Eintreffen der Horch-Freunde wird die Enkelin von August Horch, Heike Müller aus Winningen, die Tafel mit dem Namen ihres Großvaters einweihen. Anschließend findet ein Sektempfang für die Horch-Freunde statt, die dann vor der Horchfabrik das bekannte Foto der Firmenbelegschaft von 1903 nachstellen wollen. Außer der Enkelin werden der Leiter von Audi Tradition und Audi Museum mobile Ingolstadt, Thomas Frank sowie der langjährige Historiker der Audi AG, Prof. Dr. Peter Kirchberg unter den Gästen sein. Die Horch-Fahrer kommen aus ganz Deutschland und der Schweiz. Sie werden die Einweihung des Horch-Gedenkpavillons erleben, zu der mit Edgar Friedrich aus Hof auch der letzte Lehrling von August Horch sowie Vertreter des Horch-Museums Zwickau und ein Horch-Double anwesend sein werden. Mit der Einweihung wird das Geheimnis um den fest verschnürten Horch gelüftet, der den Pavillon schmückt. Die Gäste können außerdem die umgebaute und sanierte Fabrik besichtigen, Horch-Tropfen genießen oder sich im Festzelt stärken. Awo-Mitarbeiter bieten Führungen an. Die Horch-Freunde waren 2004 zum letzten Mal im Rahmen ihrer Ausfahrt zum Jubiläum 100 Jahre Automobilbau in der Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau an der Horch-Fabrik, die damals als traurige Ruine noch eine ungewisse Zukunft hatte. Die Zeichen standen damals eher auf Abriss als auf Erhaltung.

Text: Petra Steps (22.05.2009)


Einweihung Horchfabrik

Reichenbach. Große Begeisterung herrschte gestern bei den Mitgliedern des Horch-Clubs, die auf ihrer Ausfahrt an der ehemaligen Horch-Fabrik in der Oberen Dunkelgasse Reichenbach Station machten. Sie nahmen an Einweihungsfeier nach Sanierung und Umbau teil. Die Enkelin des Autopioniers, Heike Müller aus Winningen, enthüllte gemeinsam mit Awo-Geschäftsführer Steffan Günther die Namenstafel „Betreuungs- und Beratungszentrum August Horch“. „Ich kann den Reichenbachern nur gratulieren. Ich war 1999 zum ersten Mal in Reichenbach und habe den Zustand der Fabrik gesehen. Es ist unvorstellbar, was hier geworden ist“, erklärte Heike Müller. Sie hatte zur Ausfahrt ihren Ehemann Theo Müller, Sohn Michael Müller, Tochter Tanja Wörmann, die Schwiegerkinder und die drei Ururenkel von August Horch, Antonia, Mattheo und Miguel mitgebracht. „Ich wollte unbedingt die ganze Familie dabei haben, denn das hier ist schon ein historischer Moment für uns alle“, gestand die Enkelin.

An die Horchausfahrt 1999 und den ersten Blick auf die damals leerstehende Fabrik erinnern sich noch viele der Horchfreunde, die gestern erneut in Reichenbach weilten. „Das Gras war mannshoch, außen ein Zaun und unten stand die Fabrikruine“, so Peter Kirchberg. Der damalige Chef des Bereiches Audi Tradition in Ingolstadt kam in unregelmäßigen Abständen nach Reichenbach und belächelte die Fragen nach einer Zukunft der Fabrik jedes Mal. „Aber das war ein vorsichtig optimistisches Lächeln, auch wenn ich nicht so recht geglaubt habe, dass die Fabrik erhalten wird. Umso schöner ist das, was wir heute hier sehen“, so der Professor im Ruhestand. Sein Nachfolger Thomas Frank, der gleichzeitig das Audi Museum mobile Ingolstadt leitet, findet toll, dass an der Wiege des Horch-Automobilbaus an den Autopionier erinnert wird. „Ich bin gebürtiger Kölner und kann mir gut vorstellen, dass es künftig einen Verbund von Städten mit Auto- und Horchgeschichte vom Beginn in Köln über Reichenbach und Zwickau bis nach Ingolstadt geben wird“, blickte er in die Zukunft. In Köln hatte August Horch mit der Entwicklung von Automobilen begonnen, bevor er 1902 nach Reichenbach kam. Frank versprach den Initiatoren der Horch-Erinnerungsstätte am Awo-Haus die Unterstützung mit Exponaten, die auch wechseln können. Eine finanzielle Unterstützung für den Pavillon liege nicht in seiner Befugnis. Dort fehlen zurzeit noch rund 30.000 Euro für Beleuchtung, Vitrinen und einen Pylon, der auf die Geschichte des Hauses hinweist. Seiner Firma in Ingolstadt will er anhand von Fotos zeigen, dass sich die Horchfabrik in Reichenbach zu einem Schmuckstück verwandelt hat. Es wäre auch denkbar, dass Audi-Abordnungen bei künftigen Besuchen in Zwickau zu einer Stippvisite nach Reichenbach kommen.

Heike Müller freut sich über den „wieder auferstandenen Opa“, der seine Erinnerungen an die Reichenbacher Zeit zum Besten gab. „Bei meinen Führungen im Zwickauer Museum wird Reichenbach immer erwähnt. Das hier ist richtig gut geworden“, lobte das Horch-Double die sanierte Fabrik.

Text: Petra Steps (22.05.2009)


Inszenierte Automobilgeschichte in Zwickau

Einen Besuch im neu gestalteten Horch-Museum kann ich wärmstens empfehlen, denn das ist nicht nur was für ausgesprochene Automobilfreunde. Mit viel Liebe zum Detail wird dort Automobilgeschichte im historischen Kontext inszeniert. Neben den tollen Schlitten, vom alten Horch bis zu nicht produzierten Entwicklungen des DDR-Automobilbaus finden sie alles, darunter auch Raritäten wie den Repräsentant oder einen Horch Phaeton aus dem Jahre 1911. Sehenswert sind beispielsweise der nachgebaute Stand der Internationalen Automobilausstellung, eine Ladenstraße in Zwickau mit detailgetreuen Schaufenstern und ein Tante Emma-Laden, in dem es nach Schokolade duftet. In einer Tankstelle erzählt der Tankwart zwischen seiner Arbeit Anektoden aus dem Leben von August Horch. Erinnert wird auch an die Reichenbacher Zeit von August Horch, mit einer Tafel und dem in Reichenbach entwickelten ersten Vierzylindermotor. Der Rundgang ist zweckmäßig, alles ist behindertengerecht.

Zur Eröffnung war neben Prominenz aus Industrie und Politik auch der letzte Lehrling von August Horch, Edgar Friedrich aus Hof, anwesend. Er organisiert von seiner Heimatstadt Hof aus öfters Busreisen nach Zwickau und führt dann selbst durch das Museum. Mit ein wenig Glück kann man ihn treffen.

Das neu eröffnete August-Horch-Museum in Zwickau dürfte auch zu den ersten Adressen der Reichenbacher Horch-Fans gehören. Das ergibt sich schon aus der Tatsache, dass in der Neuberinstadt nur wenig an die Zeit des großen Autopioniers erinnert. Zwar steht die alte Horchfabrik noch, die Zukunft des Gebäudes ist jedoch ungewiss. Mit einem August-Horchweg ohne Horch, einer kleinen Bilderausstellung in Privatinitiative des Autohausbesitzers Hans-Jürgen Löffler und einer Erinnerungstafel vor einer Industriebrache lassen sich kaum Besucher anziehen.

Die Zwickauer hatten in diesem Fall die glücklichere Hand. 6,6 Millionen Euro hat allein die Audi AG für die Wiederauferstehung der ehemaligen Horch-Fabrik bereitgestellt. Neun Millionen Euro kostet das Projekt insgesamt. Zur Museumseröffnung war es diesmal nicht Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), der Reichenbach wenigstens am Rande erwähnte. Zwickaus Oberbürgermeister Dietmar Vettermann (CDU) sprach davon, dass August Horch aus Reichenbach kam. „Es war damals nicht vorherzusehen, welche Bedeutung der Automobilbau in den nachfolgenden Jahrzehnten für Zwickau und die Region erlangen sollte“, erklärte er in seiner Eröffnungsrede weiter. Der Satz könnte auch anders heißen: „Es war damals nicht abzusehen, welchen Verlust die Stadt Reichenbach durch den Umzug der Horchfabrik erleiden sollte.“ Reichenbachs Oberbürgermeister Dieter Kießling (CDU) war zum Festakt gar nicht erst eingeladen, bestätigte er auf Nachfrage. Vettermann hofft indes, dass es nach Fertigstellung der Horch-Villa und des Kontors einen dritten Bauabschnitt in Zwickau gibt.

In der Ausstellung, die eigentlich mit dem Jahr 1904 beginnt, finden sich auch Bilder und Daten aus der Reichenbacher Zeit. Der hier produzierte Tonneau aus dem Jahre 1903, Bilder der Horchfabrik mit und ohne Belegschaft, ein Foto der Ausfahrt mit einem Horch von 1902 im Reichenbacher Raum und die Mitteilung, die das Ende der Horch-Ära in Reichenbach besiegelt, sind auf einer Tafel festgehalten. Nur wenige Meter weiter steht der erste Vierzylindermotor, den August Horch 1903/04 gemeinsam mit Fritz Seidel in Reichenbach entwickelt und konstruiert hat. Ein Besuch im Museum lohnt sich auf jeden Fall. Hier wird Automobilgeschichte nicht nur dargestellt, sondern mit viel Liebe zum Detail inszeniert.

Kommentar
Die Stadt Reichenbach hat schon 1904 verloren. Damals ging August Horch mit der Produktion seiner Fahrzeuge nach Zwickau. Das August-Horch-Museum dürfte für die Muldestadt mindestens genau so ein Glücksfall wie die Verlegung der Firma sein. Vielleicht finden sich ja nach Fertigstellung der Zwickauer Objekte noch einige Enthusiasten, die der Reichenbacher Horchfabrik sozusagen als vierten Bauabschnitt die nötige Finanzspritze für die Herstellung eines würdigen Zustandes verpassen. Egal, wie die Entscheidung aussieht: die erste Tafel im Zwickauer Horch-Museum müsste auf jeden Fall irgendwann verändert werden. Im günstigsten Fall finden wir dann den Hinweis, dass sich auch ein Besuch in Reichenbach lohnt.

Text: Petras Steps


Das Horch-Museum in Zwickau

Wenn der ganze Weihnachtsstress vorbei ist, und Körper und Geist nach Veränderung schreien, wäre vielleicht ein Ausflug ins Zwickauer Horch-Museum nicht schlecht. Im vergangenen Jahr hatte ich das Museum schon einmal vorgestellt. Seit Ende September kann man eine erweiterte Ausstellung sowie die benachbarte Horch-Villa bestaunen. Auch zu sehen sind eine mechanische Fertigung mit Transmissionsantrieb, ein historischer Motorenprüfstand sowie zahlreiche neue Autos untergebracht. Für viele geht sicher auch ein Traum in Erfüllung, wenn sie sich in einen echten Oldtimer setzen können. Damit hat das Museum einen lange gehegten Besucherwunsch erfüllt. In dem ebenfalls neu hinzugekommenen Rundkino kann man sich mit dem Automobilbau in Zwickau vertraut machen.

Das Museum und die erstmals zugänglichen „Horch-Villa“ bieten einen faszinierenden Einblick in den Automobilbau der Region und in die Arbeitsbedingungen vergangener Zeiten. Die 1912 fertig gestellte Villa wurde bis 1920 von August Horch und seiner Familie bewohnt und ist in dem Stil dieser Zeit eingerichtet. Ob man sich nun hier in die Wohnverhältnisse früherer Generationen oder in Zeit des Trabants zurückversetzt – für jeden wird etwas geboten. Kinder können sich z.B. am Computer ihr eigenes Wunschauto zusammenbasteln und den Ausdruck mit nach Hause nehmen.

Mit der Erweiterung wird an das programmatische Konzept des Bestehenden angeknüpft. Ausstellungsgestalter Matthias Kaluza (Firma ö_konzept Agentur für Werbung und Kommunikation GmbH & Co. KG) war schon für den ersten Museumsteil verantwortlich und erhielt dafür viel Lob aus aller Welt. „Wir wollten ein Museum aus einem Guss“, erklärte er zur Eröffnung des Erweiterungsteils. Das ist sowohl in baulicher als auch in inhaltlicher Hinsicht voll gelungen.

Über 200 Großexponate warten auf die Besucher. Kinder haben die Möglichkeit auf dem Feuerwehrauto Platz zu nehmen.

Die Erweiterung brachte auch andere Öffnungszeiten und einen höheren Eintrittspreis. Der normale Besucher muss nun 9 Euro berappen. Das Horch-Museum ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 9.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Montag ist weiterhin Ruhetag.

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August Horch Museum Zwickau gGmbH
Audistraße 7 (ehemals Walther-Rathenau-Straße 51)
08058 Zwickau
Telefon: 0375 / 27 17 38 0
Fax: 0375 / 27 17 38 11
Internet: www.horch-museum.de
eMail: info@horch-museum.de

Text & Fotos: Carsten Steps (seeyou-design.de)


Oldtimer erklimmen die steile Teststrecke von August Horch

Die Stadt Reichenbach hat die Liebaustraße grundhaft erneuert. Zahlreiche Schaulustige kamen zur Einweihung. Auch ein Teufelchen mischte mit.
Reichenbach. Auf der Liebaustraße in Reichenbach rollt seit dem gestrigen Freitag wieder der Verkehr. „Wir sind mit der Straße am Ziel“, begründete Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU), warum er zur feierlichen Einweihung um 11.30 Uhr eine schwarz-weiß-karierte Flagge schwenkte. Sie war zugleich das Startsignal für den Oldtimer-Korso, der rund 300 Schaulustige an die steilste Straße der Stadt lockte. Weitere 150 säumten die Strecke durch die Innenstadt.

Der Reichenbacher Hans-Jürgen Löffler, der Mitglied im Horch Club Deutschland ist, hatte mit seiner Idee, zum Festakt automobile Geschichte auf den Asphalt zu bringen, bei Kürzinger offene Türen eingerannt. Denn Automobil-Pionier August Horch produzierte 1902 bis 1904 in der Oberen Dunkelgasse in Reichenbach, bevor er nach Zwickau ging. Die Liebaustraße hatte er damals als Teststrecke auserkoren.

Der OB verwies darauf, dass die Straße, von der seit Jahren nur eine ausgeschwemmte Schotterpiste übrig war, vom Unternehmen UTR Schönbrunn seit März grundhaft erneuert worden ist. Mit bis zu 20 Prozent Gefälle sei das auch für die Baumaschinen eine Herausforderung gewesen. Samt Deckenerneuerung der angrenzenden Kreuzungen habe das Ganze 260.000 Euro gekostet. 70 Prozent kamen aus Fördermitteln.
Kürzinger nahm im ersten Fahrzeug, einem Horch 480 Cabriolet, Baujahr 1932, Platz, das Susan Herrmann vom August-Horch-Museum Zwickau sicher die Steigung hinauf steuerte. „Was ich für Herzklopfen hatte! Er war erst das zweite Mal, dass ich am Steuer eines so alten Autos saß. Und dann gleich dieser Berg. Aber alles ging gut“, sagte sie.

Insgesamt 14 Fahrzeuge schickten sich an, die einstige Teststrecke von August Horch zu erklimmen. Hans-Werner Schmiedl hatte am Mikrofon Informationen zu allen Teilnehmern parat. Bis auf das älteste Fahrzeug, einen Opel 4/16 PS, Baujahr 1927, vom Oldtimerclub Reichenbach schafften es alle. Der Opel blieb auf halber Höhe stehen und musste zurück rollen. „Es war einfach zu wenig Anlauf“, meinte Fahrer Richard Möckel aus Hauptmannsgrün. Die Oldtimer, darunter Horch-Modelle der Baujahre 1932 bis 1937, ein Audi Typ Zwickau von 1929, ein Adler Primus von 1933, ein Wanderer W 24 von 1940, zwei DKW F8, ein Wartburg 312 Coupé von 1966, ein Trabant 1.1 von 1991 sowie ein AWO-Motorrad von 1954 fanden sich nach einer kleinen Rundfahrt auf dem Vorplatz der einstigen Horch-Fabrik ein, in der heute die Arbeiterwohlfahrt Vogtland Bereich Reichenbach ihren Sitz hat. Dort konnten sie – wie auch der Nachbau eines Horch Tonneau 14-17 des Fördervereins des Horch-Museums – ausgiebig bestaunt und fotografiert werden. Peter Hereth war extra aus Plauen gekommen. „Ich liebe vor allem die Achtzylinder mit ihrem ruhigen Lauf“, meinte er. Dieter Weck aus Reichenbach fand die Veranstaltung toll: „Das ist auch eine Würdigung für August Horch und die deutsche Ingenieurskunst.“

Ideengeber Hans-Jürgen Löffler war zufrieden. „Spätestens 2022 stehen Horch-Fabrik und Liebaustraße wieder im Fokus. Dann rufen 120 Jahre Horch in Sachsen“, sagte er.
Übrigens: 2009 hatte die „Freie Presse“ der Liebaustraße den Schlaglochteufel für das größte Schlagloch im Vogtland zuerkannt. Das Teufelchen, das seither den Schreibtisch von Baufachbereichsleiter Sven Hörning geziert hatte, gab der OB am Freitag an die Heimatzeitung zurück mit einem Wunsch: Es möge nicht so schnell nach Reichenbach zurückkehren.

Freie Presse (05.09.2020)